Festival-Leitmotiv: „Die göttliche Ordnung“

FESTIVAL SINEMA #05

4 Filmjuwelen | Kino Krone | Schloss Burgdorf | gemeinsam Magie erschaffen und erleben

28. – 30. Oktober 2022, Burgdorf
Score des Festivals: Lacrimosa von W. A. Mozart

Das Festival Sinema hat sich in den letzten Jahren als eigenständiger Anlass etabliert. Als Festival, das nicht nur Filmjuwelen huldigt, sondern in seiner ganz speziellen Art und Weise den Durchführungsort aber auch die Teilnehmenden aktiv in die Programmgestaltung miteinbezieht. Fiktion wird so zu Realität und Realität zu Fiktion. Es mischen sich Wahrnehmungsebenen, es mischen sich Leute… und es entsteht ein spezielles Gefühl der Verbundenheit und etwas Einzigartiges erlebt zu haben.

Die 5. Ausgabe des Festivals verspricht wiederum, magisch zu werden. Der Ort, das Kino, die Filme und das Leitmotiv sind fixiert und ergänzen sich in schon fast kongenialer Weise.

Idee sowie Leitmotiv des Festivals entstanden wie von selbst. Wer Burgdorf besucht, dem fällt die ganz spezielle Anordnung dieser Stadt auf. Eine Anordnung, die einem zwangsläufig ans Mittelalter und an eine klare Standesordnung erinnert. Man beginnt seinen Burgdorf-Besuch in der Unterstadt an der Emme. Metzgergasse, Kornhausgasse, Restaurant zur Gedult… hier ist das Handwerk zuhause… das „einfache“ Volk. Entsprechend kommt die Architektur daher. Farbige Handwerkshäuser, nahe beisammen, auf Funktionalität getrimmt. Über den Aufgang zur Staldenstrasse läuft man in die Höhe, über die Hohengasse in die Oberstadt. Und schnell ist einem klar, jetzt ist das Bürgertum Trumpf. Goldschmiede, Stadthaus, Kronenplatz… vieles erinnert an die Altstadt von Bern. Doch die standesgemässe Ordnung endet nicht im Bürgertum. Über das Schlossgässli einerseits und über das Kirchbühl andererseit schlängelt sich die Stadt weiter in die Höhe. Die reformierte Kirche der Stadt Burgdorf sowie das Schloss Burgdorf thronen über der Stadt und sind klare Zeichen, wer in dieser Stadt das Sagen hatte.

Ich kenne keine andere Stadt, die mittelalterliche Standesunterschiede in solch simpler und einfacher Art so klar aufzeigt, wie die Stadt Burgdorf. Zur damaligen Zeit, eine göttliche Ordnung, die wohl schwer zu durchbrechen war.

Gleichzeitig war und ist Burgdorf ein Ort der Begegnung, der Kultur und der Bildung. Johann Heinrich Pestalozzi begündete 1800 in Burgdorf seine über die Landesgrenze hinaus bekannte Reformpädagogik. Im Schlachthaus ist das Museum des berühmten und ehemals ortsansässigen Bildhauers und Eisenplastiker Bernhard Luginbühl eingerichtet. Und kaum 100 Meter davon entfernt findet man das Museum von Franz Gertsch, einem der bekanntesten Schweizer Maler und Grafiker mit Weltruhm.

Burgdorf ist ein perfekter Ort, um stimmungsvolle Geschichten zu erzählen. Seit über 800 Jahren thronen Schloss und Kirche über der Stadt. Als Tor zum Emmental ist Burdlef, wie die Einheimischen den Ort nennen, sehr landwirtschaftlich geprägt; Kultur und Bildung waren aber immer ein wesentlicher Teil der eigenen Geschichte.

Genau an diesem speziellen Ort erzählen wir im Herbst 2022 Geschichten über Menschen, die die „göttliche Ordnung“ nicht einfach als gegeben betrachtet haben, sondern neue bzw. andere Wege beschreiten wollten. Menschen, die sich aufopferungsvoll gegen die Standesordnung gestellt und die Welt besser machen oder zumindest zum Nachdenken bringen wollten.


Das Herz gibt allem, was der Mensch sieht, hört und weiß, die Farbe.

Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), Schweizer Pädagoge und Sozialreformer

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